Zwei Bürgermeister, ein Ministerpräsident und ein Staffelstab waren am Sonnabend die Hauptakteure der Staffelstabübergabe zum Brandenburg-Tag 2012. Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz-Kreis) hat jetzt ein knappes Jahr Zeit, das Megafest vorzubereiten.
Paris hat die Champs Elysées. Touristen in Berlin laufen Unter den Linden. Die Spreewaldstadt Lübbenau hat ihre Prachtmeile noch nicht, wird sie aber im September 2012 bekommen: die Gurken-Gourmetmeile. Zum Brandenburgtag. So jedenfalls steht es im Aufgabenkatalog des Organisationsbüros, das mit den Vorbereitungen längst begonnen hat.
Die Sonne meint es gut mit der fröhlich aufgeregten Festgesellschaft, was einen der Redner an diesem Tag, Ministerpräsident Matthias Platzeck, zu einer Wettervorhersage inspiriert: „Petrus trainiert schon. Er zeigt uns, was in einem September alles so möglich ist."
Beste Bedingungen also für eine Staffelstabübergabe. Schwedt war im vergangenen Jahr die Ausrichterstadt des alle zwei Jahre stattfindenden Landesfestes, Lübbenau wird es im kommenden Jahr sein. Also ist es Jürgen Polzehl, Bürgermeister aus der Uckermark, der dem Spreewälder Helmut Wenzel den Stab entgegenstreckt. Oben, auf dem Balkon des Rathauses.
Unten, auf dem Kirchplatz, applaudiert das Volk. Es riecht nach Holz und Spreewaldgurken. Eine Frau aus Berlin schiebt sich gerade eine dicke dunkelgrüne Frucht in den Mund, alldieweil wenige Meter entfernt ein Künstlerpaar an einer zwei bis drei Meter hohen, in den Himmel ragenden Holzskulptur schnitzt und hobelt.
Im Hintergrund hebt sich die Nikolaikirche in den Himmel und es plätschert der Sagenbrunnen, der Geschichten aus der von Mythen durchwobenen Fantasiewelt des Spreewalds erzählt.
Die Holzkünstler gehören zum Spreewaldatelier. Künstler, Bildhauer und Karikaturisten haben eine Woche lang auf dem Kirchplatz Holz und Papier bearbeitet. Heute ist Höhepunkt des Freilichtateliers: An diesem Tag - zu späterer Stunde - werden die Werke versteigert. Ein Rahmen, wie geschaffen für die Zeremonie, die in diesen Minuten auf dem Rathausbalkon vollzogen wird.
Die feierliche Staffelstabübergabe nähert sich jetzt ihrem Höhepunkt. „Zauberstab" tönt es aus den Lautsprechern. Es spricht gerade Jürgen Polzehl. „Eigentlich will ich ihn gar nicht so gerne hergeben." Er hat Schwedt viel gebracht - Image, Gäste, Selbstwertgefühl. Ein Zauberstab eben. Polzehl lächelt, wenn er an den Brandenburgtag zurückdenkt. Kein Wunder, die Arbeit ist getan, die Ernte eingefahren.
Die Übergabe des Staffelstabes vollzieht sich in Sekundenschnelle. Nun also hält Lübbenaus Bürgermeister Wenzel den Stab und damit die Verantwortung in der Hand. Ein Stab, der mit seinem Griff ein wenig an ein mit Fähnchen bestücktes Nudelholz erinnert. „Unsere Stadt wird die Chance nutzen, sich von ihrer allerbesten Seite zu zeigen und alle unsere Gäste mit der sprichwörtlichen Herzlichkeit des Spreewalds willkommen zu heißen und zu begeistern", sagt Helmut Wenzel.
Kurz darauf entrollt er mithilfe seines Amtskollegen und des Ministerpräsidenten das erste Plakat zum Brandenburgtag 2012: „Brandenburg mit allen Sinnen - Genau, Lübbenau!" steht darauf.
Stunden später. Der Auktionator hat schon die Bühne erobert, immer mehr Menschen drängeln sich zwischen den Holzfiguren, den knallgelben Auktionskatalog in der Hand.
Den Staffelstab hat Bürgermeister Wenzel derweil in Sicherheit gebracht - einsam liegt er auf einem Tisch in der Stadtverwaltung. Wo er die kommenden Monate verbringt, ist noch nicht geklärt. „Möglicherweise in meinem Arbeitszimmer", sagt Wenzel. „Als Erinnerung: Dass da noch was zu tun ist."
Zum Thema:
Der Brandenburg-Tag ist das größte Fest des Landes und lockt alle zwei Jahre rund 100.000 Besucher an. In der 17.000-Einwohner-Stadt Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) sind schon jetzt zahlreiche Hotel- und Pensionszimmer für die Dauer des Festes ausgebucht. Das Motto im Jahr 2012: „Brandenburg mit allen Sinnen - genau Lübbenau". Der Staffelstab spielt eine symbolische Rolle. Mit ihm wird die Verantwortung für das Fest weitergetragen - ein ganz klein wenig vergleichbar mit dem olympischen Feuer. Der Stab aus Buchenholz ist rund 50 Zentimeter groß, etwa ein Kilogramm schwer und enthält auf kleinen Metallplättchen die Namen bisheriger Ausrichter. Die Ausrichtung des Landesfestes kostet rund 500.000 Euro, etwa die Hälfte steuert das Land Brandenburg zu. Den größten Teil der Reststumme steuern Sponsoren bei, auch die ausrichtende Kommune beteiligt sich an den Kosten.Der Brandenburg-Tag in Lübbenau wird nach derzeitiger Planung sowohl in der Alt- als auch in der Neustadt sowie rund um den Bahnhof gefeiert.
Von Johannes M. Fischer
Fotos: Ortwin Pinke