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Ein Einblick in die Arbeit der fleißigen Bienchen

Im Garten von Kathrin Klee sieht es anders aus, als bei allen anderen Nachbarn. Anstelle eines Pools, einer Sonnenterrasse und eines Gemüsebeetes, findet man dort eine wilde Wiese mit alten Obstbäumen und ungewöhnlich übereinandergestapelten Kästen – die Heimat ihrer Bienenvölker.

Ich habe mich an einem sonnigen Maimorgen mit der Spreewaldimkerin verabredet. Bereits vor ihrem Grundstück konnte man erkennen, dass hier viele Bienen und eine echte Expertin zu Hause ist, denn ein niedliches Wilkommensschild und ein seltsamer gelb-schwarz gestreifter Kasten ließen nur diesen einen Schluss zu. Nach einer kurzen Begrüßung führte sie mich in ihren wunderschönen, außergewöhnlichen Garten und erzählt mir alles über die Welt der Bienen…

Ihre Leidenschaft fürs Imkern entdeckte Kathrin Klee vor ca. sieben Jahren, als sie noch in Berlin lebte und sich nach einem kleinen Stück Natur sehnte. Liebevoll beobachtete sie die fleißigen Tierchen, die sich unter dem großen Kirschbaum, umgeben von duftenden Feldern besonders wohlfühlen. Ein einzelner Kasten wird von einem Volk mit 50.000 bis 60.000 Bienen bevölkert. Darunter befinden sich unzählige Arbeiterinnen, Drohnen und natürlich die Bienenkönigin (ein Drohn ist eine männliche Biene, der sich mit seinem kräftigen Körper und dem fehlenden Stachel von den Arbeiterinnen deutlich unterscheiden lässt). Neben dem leckeren Honig, den die Arbeiterinnen produzieren, sind Bienen unverzichtbar für den Erhalt des Ökosystems. Rund 80% der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung der Honigbienen angewiesen. Dazu zählt auch die Landwirtschaft, die ohne die kleinen Helfer erhebliche Ernteausfälle verzeichnen würde. Selbstverständlich gibt es auch andere Insekten, die die Blüten bestäuben würden, doch nur die Honigbiene weist eine so effiziente und starke Leistung auf, dass die Früchte optimale Qualitätsmerkmale aufweisen. So sind die Völker der Spreewaldimkerin tagsüber auf der Suche nach leckerem Nektar von Robinien, Raps oder anderen Sommerblumen und legen dabei gerne einen Flug von drei bis fünf Kilometern zurück. Da Kathrin Klee mit einigen ihrer Bienenvölker mitten in die Rapsfelder wandert, müssen nicht alle ihre Schützlinge so weite Wege auf sich nehmen. Oft befindet sich der verlockende Nektar ganz in der Nähe. Da Bienen die Existenz vieler verschiedener Pflanzenarten sichern und somit der Natur und dem Menschen guttun, postiert die Imkerin auch viele ihrer Kästen in private Spreewaldgärten von Bienenliebhabern.

Aber wie kommt sie nun an den Honig heran?

Nachdem reichlich Nektar gesammelt und genügend Honig produziert wurde, ist es an der Zeit, das flüssige Gold zu ernten. Dazu werden die Tiere mithilfe einer Bienenflucht (einer Art Einbahnstraße) von dem Honigrähmchen im Kasten getrennt. Es dauert ungefähr zwei Tage, ehe die letzte Biene ihren Weg vom Honig- in den Brutraum gefunden hat.

 

Da der Honig bei meinem Besuch bei Frau Klee noch nicht bereit zum Ernten, war erklärte sie mir anhand der Bruträume, was mit dem Honig in ein paar Wochen geschehen würde. 

Alle vollen Rähmchen aus einer Kiste wandern demnach in die Schleuderstraße der Spreewaldimkerin. Dort wird die zarte Wachsschicht vorsichtig entfernt. Die Rähmchen kommen anschließend in eine sogenannte „Honigschleuder“, in welcher der Honig mit hoher Geschwindigkeit aus den Waben entschleudert wird. Um die restlichen kleinen Wachspartikel der Waben loszuwerden, wird der Honig nun mehrmals gesiebt. Der Prozess dauert einige Zeit – die sich jedoch lohnt, denn sobald alles Wachs entfernt ist, kann der Honig abgefüllt… und genascht werden.

 

Ähnlich wie der Honig, muss auch das Altwachs veredelt werden. Um später hübsche Bienenwachskerzen herstellen zu können, wird es mehrmals erhitzt und gesiebt, bis alle Rückstände und Schmutz beseitigt sind.

Kathrin Klee versiegelt ihre Honiggläser mit nachhaltigen Blech-, anstelle von Plastikdeckeln. Das fertige Glas Honig wird zuletzt zur Pollenanalyse verschickt. So erhält die Spreewaldimkerin Auskunft über die Qualität des Honigs und die Konzentration aller Blüten, die die fleißigen Bienchen zur Honigproduktion vernascht haben. So weiß sie genau, ob ihre Schützlinge beispielsweise sortenreinen Raps- oder Robinienhonig produziert haben. Mit dem Siegel des Spreewaldvereins e.V. garantiert die Imkerin allen Honigliebhabern, dass ihr Produkt qualitativ hochwertig direkt aus dem Spreewald stammt.

Nach einem langen Spaziergang durch den Bienengarten wanderten wir vor zu Straße, an der die seltsame Box steht. Natürlich konnte ich meine Neugierde nicht zurückhalten und fragte sie, was es mit der eckigen Biene auf sich hat. Es stellte sich heraus, das die Spreewaldimkerin ihren Honig sowie -wein und -essig nicht nur in regionalen Bauernläden, sondern auch mithilfe ihrer „Honigboxen“ verkauft. Wie das funktioniert?

Wenn ihr so eine spezielle Box seht, braucht ihr nur den Deckel zu öffnen, Honig herausnehmen, kontaktlos zahlen, mit nach Hause nehmen und regional schlemmen! Die Standorte der Honigboxen variieren von Zeit zu Zeit, doch die Box vor Kathrin Klees Honigproduktion in Vetschau bleibt bestehen. 

Von der Pflege der Bienen über die Honigernte und -verarbeitung bis hin zum Verkauf achtet Kathrin Klee auf eine natürliche, nachhaltige Arbeitsweise. Die Hobbyimkerin ist ein Beispiel der vielen regionalen Unternehmen, die den Spreewald ausmachen und weshalb ich gerne hier lebe. Mit dem Einblick in die anstrengende Arbeit der Bienen und der spannenden, aufwendigen Produktion des flüssigen Goldes habe ich meinen nächsten kleinen Spreewaldmoment gefunden.

Dieses Mal ist es sogar ein Moment, den ich wortwörtlich mit nachhause nehmen konnte…

Wusstet ihr...

… dass Kathrin Klees Bienen für ein Glas Honig (250g) ca. 60.000 km zurücklegen müssen (1,5 mal um die Erde)? 

… dass eine einzelne Biene am Tag zehn Mal ausfliegt und dabei ca. 300 Blüten bestäubt (bei einem Volk von 50.000 Bienen

    sind das 15 Mio. Blüten)?

… dass deutsche Honigliebhaber mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1,3 km jährlich an der Weltspitze liegen?

… dass Bienen in Deutschland neben dem Schwein und Rind als drittwichtigste Nutztiere gelten?

… dass Honig niemals im Kühlschrank gelagert werden sollte, da er sonst seine Konsistenz verändert (der Zucker setzt sich ab

    und der Honig wird sehr hart)?