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Spreewald Fastnacht - Zapust

©Peter Becker, Fastnacht im Spreewald

Dreh dich, dreh… Winter vergeh, Frühling besteh! Tanzen voller Anmut wider die Wintergeister.

Wenn dunkle Nächte langsam wieder kürzer werden, dann ist es Zeit, den Winter zu vertreiben. Von Haus zu Haus ziehend, mit Getöse, Musik und Maskeraden geht es beim „Zampern“ (sorbisch: camprowanje, „Einfordern“ oder „Heischen“) Dämonen und bösen Geistern an den Kragen.

Herausgeputzt mit festlichen Trachten ziehen Paare - jung und alt - beim Spreewälder Zapust durch das Dorf, um beim großen Fastnachtstanz Tanzschuhe und bunte Bänder wirbeln zu lassen.

Es ist eine Augenweide! Zapust, die Fastnacht in der Lausitz, zwischen Mitte Januar und Mitte März ist eine der schönsten Zeiten im Jahr. Alle feiern das „Neue“ und bedanken sich bei denen, die in der Vergangenheit für Recht, Ordnung und Wohlstand sorgten.

Zampern, Zampern das macht Spaß, liebe Leute gebt uns was….

©Peter Becker, Zampern
Verkleidete Menschen zur Fastnacht

Mit dem „Zampern“ beginnen traditionell die Festlichkeiten. Zuvor hatten in kleinen Stuben, den Spinten, die Frauen seit Weihnachten Flachs gesponnen. Die Pflanze bestimmte den Rhythmus des alten Spreewälder Lebens stark, ob als Faser für Leinen oder als Grundlage zur Leinölherstellung. Der „Heischegang“ beendete nun also die Spintezeit. Geradezu gesetzmäßig und zu allen Zeiten braucht man dazu etwas zum Essen und Trinken. So holt sich die Dorfjugend was sie braucht, verkleidet und mit lauter Blasmusik, von den Dorfbewohnern.

Historisch geht der Brauch auf heidnische Feste zur Wintervertreibung zurück. Wichtige Verkleidungen waren hier die doppelte Person, „der Tote trägt den Lebendigen", der Schimmelreiter, der Storch als Symbol des beginnenden Frühlings oder der Bär als Symbol des abziehenden Winters. Die Figuren berührten mit „Lebensruten“ aus Weide die Dorfbewohner zum Zeichen neu aufsteigender Lebenskräfte.

©Paul Suppan
Spreewald Winter Fastnacht Peitz

In der Niederlausitz wurde noch bis in die 1950er Jahre traditionell gezampert. Heute gibt es das nur noch in Lübbenau. Die Freude am Zampern ist den Dorfbewohnern jedoch geblieben. Mit lauter Kapelle und fantasievollen Verkleidungen ziehen sie durch den Ort, bitten die bunten „Heischegesellschaften“ an den Gehöften um „Eier, Speck und Taler“. Zum Dank – und auch das ist Tradition – gibt es ein Schlückchen Schnaps und ein wildes Tänzchen. Die „eingeheischten“ Gaben werden übrigens später beim gemeinsamen Eieressen zum Lumpenball verzehrt.

Tanzende Reihen bringen den Flachs zum Gedeihen…

©Peter Becker
Trachtenumzug in Vetschau

Am Sonntag folgt der Höhepunkt der Festlichkeiten: der Fastnachtsumzug der Jugend. Darauf freuen sich die Menschen schon das ganze Jahr. Die Frauen holen die festlichen, farbenfrohen Tanztrachten aus den Schränken. Sie werden komplettiert mit gestickten Seidenschaltüchern, der weißen Spitzenschürze und der „Lapa“. Das ist der berühmte Kopfschmuck der sorbischen Frauen, der die Festtagstracht der Niederlausitzer im ganzen Land und darüber hinaus bekannt gemacht hat. In jedem Dorf wird die „Lapa“ ein wenig anders gebunden, hat eine andere Größe beziehungsweise eine andere Form. Das Anziehen einer Tracht dauert bis zu einer Stunde und benötigt die Hilfe einer „Ankleidefrau“. Für die ganze Tracht werden bis zu 100 Nadeln zum Feststecken der Tücher und Bänder gebraucht.

©Peter Becker
Frauen in traditioneller Spreewald-Kleidung

Witajšo k nam / Willkommen bei uns – die Begrüßung der Gäste in der wendischen/sorbischen Sprache gehört natürlich zum guten Ton. Die Frauen und Männer werden nach dem Willen der Dorfältesten, heute der Vereinsvorstände, als Paare zu einem Zug angeordnet. Der Mann erhält von seiner Weggefährtin auf Zeit eine bunte Papierblume mit Schleifen, ein Zapuststräußchen, an den Hut, mancher Orts auch ans Revers, und sie erhält seinen Arm. Fein gemacht und eingestimmt beginnt mit Blasmusik der festliche Umzug. Halt gemacht wird zum Beispiel beim Pfarrer, dem Bürgermeister, der Feuerwehr, beim Bäcker und bei all jenen, die sich regelmäßig um das Dorf verdient machen. Sie bekommen ein Sträußchen, ein Ständchen und ein Tänzchen als Dank der Dorfgemeinschaft für ihr Wirken.

Wenn es Abend wird, finden sich alle zum Fastnachtstanz in der Dorfgaststätte ein. Nach alter Überlieferung gilt es, zur Fastnacht fleißig zu tanzen, damit der Flachs gut gedeiht. Er soll möglichst in die Höhe gehen. Dafür müssen die Frauen hoch springen und womöglich mit einem großen Mann tanzen. Die Kapelle spielt am liebsten Polka, lustige Musik im Zweiviertel-Takt und die Röcke schwenken zu einem beschwingten Rundtanz. Die Annemarie-Polka, die Lieblingspolka der Spreewälder, darf auf keinem Fest fehlen.

Traditionell ist dann der letzte Tanzabend den verheirateten Paaren vorbehalten. Die Männerfastnacht beendete in vielen Dörfern die Fastnachtszeit. Heute feiern jedoch meist alle gemeinsam und auch beim Umzug sind die Jungverheirateten mit dabei. Die Fastnacht ist ein wunderbares Fest des Lebens mit uralten Wurzeln. Sie hat sich erhalten und ist Teil jedes Kalenders im dörflichen Gefüge. Nachdem sich eine Zeit lang die jungen Menschen anders orientierten, erleben die heutigen Gemeinschaften ein Comeback der Tradition und feiern wieder ausgelassen und selbstbewusst ihren Zapust.

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